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    Veröffentlicht: 17.07.2017
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    Kommentar: Bundeskanzlerin Angela Merkel im Schnelldurchlauf


    Schnappatmung bei einigen Facebook-Kommentatoren
    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) während ihres Wahlkampfauftritts am Freitag in Neuharlingersiel  ©KLAUS HÄNDEL
    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) während ihres Wahlkampfauftritts am Freitag in Neuharlingersiel  ©KLAUS HÄNDEL
    WITTMUND
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    Lediglich eine Stunde hat ausgereicht, um tagelang die Facebook-Kommentare zu beherrschen – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Am vergangenen Freitag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wie schon 2013 das Nordseeheilbad Neuharlingersiel besucht.


    Was bereits vorab zu vermuten war, hatte sich nach schlanken 60 Minuten Aufenthalt um kurz nach 15 Uhr, als die Regierungschefin wieder im Helikopter saß, um ihrem nächsten Termin an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste entgegenzufliegen, bewahrheitet: Viel mehr als ein hochkarätig besetzter Wahlkampftermin der Christdemokraten war die insgesamt zweistündige Veranstaltung in maritimem Ambiente nicht.


    Zu voll war Merkels Terminkalender, der für jenen Tag drei Reden binnen viereinhalb Stunden vorgesehen hatte. Dass die Kanzlerin angesichts der gegenwärtigen politischen Lage nur wenig Zeit für derartige Auftritte einplanen lässt, ist nachzuvollziehen. Die Frage ist allerdings, was bei den gut 1500 Zuhörern von der 20-minütigen Rede inhaltlich hängen bleibt.


    G20-Gipfel in zwei Sätzen


    Vielleicht, dass der Solidaritätszuschlag keine Zukunft hat und Steuererhöhungen kein Thema sind. Zudem betonte die Bundeskanzlerin, wie wichtig der flächendeckende Breitbandausbau ist – auch für eine gute Bildung. Allerdings blieb die Christdemokratin in allen Punkten lediglich an der Oberfläche, ohne in die Tiefe zu gehen. Bei 20 Minuten am Rednerpult verwundert das wenig. Die substanziellen politischen Grundsatzdebatten finden andernorts statt. Ebenso verhält es sich mit einer Nachlese des G20-Gipfels: Lediglich zwei Sätze verliert Angela Merkel zu den Krawallen. Dabei ist es einer ihrer ersten öffentlichen Auftritte nach dem weltpolitischen Treffen.


    Insofern sind die Beiträge einzelner Kommentatoren in den sozialen Medien durchaus nachvollziehbar, in denen die Autoren den Sinn einer solchen Veranstaltung hinterfragen. Denn der Aufwand für dieses Schaulaufen war immens, der Kontakt der Kanzlerin mit den Anwohnern indes auf das Geringste beschränkt.


    In Heiligenhafen und zuvor in Neuharlingersiel hatte sich Angela Merkel immerhin einige Minuten Zeit für ein kurzes Gespräch mit den ortsansässigen Fischern genommen. In Heiligenhafen protestierten Kutterkapitäne lautstark vom Wasser aus, während in Ostfriesland nur wenige zart am Rande demonstrierten: In diesem Fall zum Thema Windkraft.


    Im Internet anonym zu pesten, geht gar nicht!


    Das verwundert umso mehr, da auf Facebook Nutzer mit Schimpftiraden, Beleidigungen und mehr als fragwürdigen Emojis um sich geworfen hatten. So sehr über politische Themen gestritten werden darf und muss, steht hier fest, dass derlei Äußerungen nicht einen einzigen Funken politischer Aussagekraft besitzen – sie sind lediglich diffamierend und sagen mehr über denjenigen aus, der sie ins Netz gestellt hat, als denjenigen, den sie treffen sollen. Im Internet zu pesten, und das zum Teil unter dem Deckmantel der Anonymität eines Fake-Profils, geht gar nicht!


    Was bleibt also unter dem Strich vom Auftakt der Sommertour der Bundeskanzlerin übrig? Jede Menge Schnappatmung, die sich online niedergeschlagen hat. Eine Stunde Aufenthalt der Kanzlerin in Neuharlingersiel. Ein paar konkrete und viele oberflächlich angerissene Themen. Artig, aber keinesfalls frenetisch klatschende Zuhörer und jede Menge Handy-Fotos und Videos.


    Es war ein Besuch der Bundeskanzlerin im Schnelldurchlauf. Nicht mehr und nicht weniger versprechen solche Wahlkampftermine.