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    Veröffentlicht: 11.09.2017
    ENA

    Lesung von Gert Postel in Jever regt zum Nachdenken an


    Vom Postboten zum Oberarzt – Die Geschichte des Hochstaplers
    Gert Postel las am Freitagabend aus seinem Buch „Doktorspiele“.   ©HELENA KREIENSIEK
    Gert Postel las am Freitagabend aus seinem Buch „Doktorspiele“.   ©HELENA KREIENSIEK
    JEVER
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    Doktoren, die dumm sind, Pastoren, die korrupt sind, Postzusteller, die Oberarzt werden. Was unfassbar klingt, ist Gert Postels Geschichte – auch wenn alles, worauf dieses Leben aufgebaut war, eine Aneinanderreihung von Lügen war.


    Verwirrung, Entsetzen, Faszination und Bewunderung. Vermutlich jeder in dem voll besetzten Graf-Anton-Günther-Saal wird am Freitagabend diese Emotionen bei der Lesung von Gert Postel aus seinem Buch „Doktorspiele“ verspürt haben. Zwei Jahre lang arbeitete Postel als psychiatrischer Oberarzt in Sachsen und sollte sogar zum Leiter der Forensik in Dresden ernannt werden, als er enttarnt wurde.


    Zuvor war er bereits als Amtsarzt in Flensburg angestellt, Weiterbildungsbeauftragter der sächsischen Landesärztekammer im Bereich Psychiatrie, Vorsitzender eines Fachärzteausschusses und Leiter des Maßregelvollzuges. Unglaubliche Stationen vor dem Hintergrund, dass Postel lediglich eine Ausbildung zum Postboten und einen Hauptschulabschluss vorweisen konnte. „Die Zeugnisse zu fälschen war ein Leichtes. Die Kunst ist, im Alltag bestehen zu können, ohne aufzufallen“, sagte Gert Postel. „Man muss die Nomenklatur beherrschen – und die lernt ein mittelbegabter Hauptschüler an zwei Wochenenden. Ich hab’s bewiesen, ich wurde auf Händen getragen.“ Der Schlüssel sei Intuition und die sei weder lernbar noch lehrbar, erklärte Postel während der Lesung.


    Leider machte es die schlechte Akustik und die Angewohnheit des Autors, Satzenden zu verschlucken, schwierig, die präsentierten Buchauszüge zu verstehen. Besser gestaltete sich das freie Sprechen im Anschluss. Weit in den Stuhl zurückgelehnt und demonstrativ entspannt, antwortet Gert Postel etwa eine Stunde lang auf die Fragen der Gäste. An Provokationen und Beleidigungen sparte er dabei nicht, bis der Moderator sich mehr als einmal genötigt sah, einzuschreiten.


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