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    Veröffentlicht: 07.11.2019
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    Ausstellung in Bensersiel: Von der lackierten Karosse bis zur „Hochzeit“


    „Geschichte des Emder Volkswagen-Werkes“ präsentiert eine Zeitreise von 1964 bis heute
    Jan Janssen Mitte zeigt das Innenleben der Autos.  ©
    Jan Janssen Mitte zeigt das Innenleben der Autos.  ©
    BENSERSIEL/OSTFRIESLAND
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    Luftschrauber, Schweißpunktzange und Dachrinnenfalzmaschine – all das sind Werkzeuge, die Klaus Rüther, Andreas Welke, Jan Janssen und Edzard Müller gut aus ihrem Berufsleben kennen. Die vier haben viele Jahre lang beim VW-Werk in Emden gearbeitet.


    „Hier sitzen 150 Jahre Volkswagen“, sagt Jan Janssen und lacht. Jeder der Männer hat rund 40 Jahre seines Berufslebens bei VW verbracht. Jetzt sind sie Werksrentner oder im Vorruhestand, aber die Autos lassen sie nicht los – sie sind Teil ihres Lebens.


    Mit der Ausstellung „Geschichte des VW-Werkes Emden“ möchten sie die Historie lebendig erhalten und zeigen, was Emden geschafft hat, wie Jan Janssen sagt. Die Männer gehören zu den IG-Metall-Senioren, die ihre Ausstellung in der Kulturetage im Strandportal in Bensersiel bis zum 15. November zu den Öffnungszeiten des Hauses präsentieren. Im Laufe dieses Tages werden die Exponate der Ausstellung abgebaut.


    13 Organisatoren kümmern sich um die regelmäßig überarbeitete Ausstellung, die sie seit rund zehn Jahren mehrmals im Jahr in Ostfriesland zeigen und die bereits bei den regionalen Autotagen und auf Borkum zu sehen war. Die Männer treffen sich regelmäßig in der Arbeitsgruppe Geschichtswerkstatt.


    „Es gibt nur wenige historische Fotos“, sagte Jan Janssen, der sich wie seine ehemaligen Kollegen über die Bilder freut, die sie ausstellen können. Bei einer kürzlichen Führung präsentierten die vier Werkzeuge, Schweißvorrichtungen und Fotos aus vergangenen Zeiten – von den Anfängen 1964 über den Golf und Bulli bis zum Passat heutiger Baureihe. Ein besonderes Fundstück, das Besucher bestaunen können, ist ein alter Käfer-Motor. Mit einem gekonnten Griff zeigte Klaus Rüther, wie das Schweißen mit dem CO2-Gerät früher funktionierte und wie die damalige Schutzkleidung aussah. Währenddessen erlebten die anderen interessierten Besucher eine Zeitreise in die Welt der Kultautos mitsamt technischer Daten, zunehmender Automatisierung und trister bis hin zu abwechslungsreicher Farbgebung.


    „Die Rädermontage, ein Knochenjob, der die Rückenpartie stark beansprucht“, heißt es auf einem der großen Fotos. „Wir zeigen auch die alten Werkzeuge, die wir für den Käfer benutzt haben“, sagt Janssen und deutet auf den Tellerschleifer, der mit den anderen Werkzeugen an einer Stellwand hängt. Die „Hochzeit“ gibt es auch in der Automobilsprache: Das ist das Verbinden der Karosse mit den notwendigen Aggregaten.


    Auch kleine Modellautos und eine ausgediente Stempeluhr sind zu sehen. Die Schichtarbeit sei anstrengend, sagte Janssen. Frühschicht ab 5.30 Uhr und Spätschicht bis in die Nacht hinein wirken sich auf das Familienleben und üben Druck aus. „Das war Maloche“, hieß es auch aus dem Publikum. Gerd Jürgens aus Esens kennt die Arbeit selbst – er hat ebenfalls über viele Jahre bei VW gearbeitet. „Ich war schon einmal in der Ausstellung. Da hat Opa gearbeitet’, hab’ ich meinem Enkel erzählt“, erzählte er erfreut.


    Das VW-Werk am Standort Emden ist als großer Arbeitgeber regional und überregional bekannt. Seit 1964 oder seit 55 Jahren produziert der Automobilhersteller für den nationalen Markt und den Weltmarkt. Bereits bis zum 50. Geburtstag hatte VW mehr als Zehn Millionen Fahrzeuge gebaut – und wer weiß, wie viele noch dazugekommen sind und in Zukunft gebaut werden.


    Wer wissen möchte, was das „Grillband“ mit dem Schweißen zu tun hat und wie ein Käfermotor aussieht, ist im Strandportal Bensersiel willkommen. Öffnungszeiten sind täglich von 9 bis 17 Uhr.