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    Veröffentlicht: 06.11.2019
    GRP

    Freiwillige Therapie statt Zwangsbehandlung für Schortenser


    Landgericht hebt Urteil des Amtsgerichtes in Jever gegen 33-Jährigen wieder auf
      ©PIXABAY/SYMBOLBILD
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    SCHORTENS/OLDENBURG
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    Wegen Drogenanbaus hat das Oldenburger Landgericht am Dienstag in zweiter Instanz einen 33 Jahre alten Mann aus Schortens zu vier Monaten Haft verurteilt, wobei die Vollstreckung der Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde. Damit hob die Berufungskammer ein früheres Urteil des Amtsgerichtes in Jever wieder auf. Nach dem Amtsgerichts-Urteil hätte der Angeklagte die vier Monate Haft noch verbüßen müssen.


    Das erste Urteil war keineswegs unverhältnismäßig gewesen. Der Angeklagte ist 17-mal vorbestraft und stand zum Zeitpunkt des Drogenanbaus unter Bewährung. In solchen Fällen gibt es nur Haftstrafen, die auch verbüßt werden müssen. Doch im Verhältnis zur ersten Verhandlung vor dem Amtsgericht in Jever hat sich etwas getan, was ganz erheblich für den Angeklagten sprach.


    Der 33-Jährige ist seit Jahren drogenabhängig. Straftaten, die er beging, hatten eben diese Drogenabhängigkeit zum Hintergrund. Deswegen hatte das Landgericht den Angeklagten psychiatrisch begutachten lassen. Es ging um die Frage, ob der Angeklagte in die Zwangstherapie (geschlossene Entziehungsanstalt) muss.


    Das Ergebnis des Gutachtens war überraschend: Dem Angeklagten könne eine günstige Legalprognose gestellt werden. Das heißt, dass der Angeklagte keine weiteren Straftaten mehr begehen wird, die als Hintergrund die Drogenabhängigkeit haben könnten.


    Also keine Zwangstherapie. Das sprach am Dienstag ganz erheblich für den Angeklagten. In der Tat hatte der Angeklagte alles gemacht, was insgesamt für eine günstige Sozialprognose (als Vorbedingung für eine Bewährungsstrafe) sprach. Er hat sich Arbeit und einen Therapieplatz besorgt, machte einen aufgeräumten Eindruck und hat den Feststellungen zufolge sein Leben nun im Griff. Deswegen muss er nicht mehr ins Gefängnis. Passieren darf jetzt allerdings nichts mehr. Die Bewährungszeit wurde auf vier Jahre festgelegt. Den Erfolg seiner Therapie muss der Angeklagte nachweisen. Auch die Staatsanwaltschaft hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert.