Artikel
    Veröffentlicht: 12.06.2019
    CARE

    Kreistag Leer stimmt ab: Führerschein durch Arbeit bei Feuerwehr verdienen (+Video)


    Zuschuss soll Nachwuchs motivieren
    Führerschein  ©PIXABAY
    Führerschein  ©PIXABAY
    LEER/HOLTRIEM/WITTMUND
     – 

    20.000 Euro stellt der Landkreis Leer seit 2016 jährlich zur Verfügung, um damit jungen Feuerwehrleute deren Führerscheine zu bezuschussen. Das, was die Politiker an diesem Donnerstag erneut verhandeln, ist wohl das, was neudeutsch als Win-Win-Situation gilt – also ein Modell, von dem zwei Seiten profitieren. Damit das auch weiterhin so bleibt, beantragt die Leeraner Kreis-CDU, die Summe entsprechend zu erhöhen.



    „Das wird wohl klappen“, zeigt sich Dieter Baumann am Telefon zuversichtlich, „bisher haben wir nur positive Rückmeldungen bekommen.“ Baumann steht der christdemokratischen Kreistagsfraktion vor und hat das Programm in der Gemeinde Westoverledingen mit aus der Taufe gehoben. Dort habe es akute Nachwuchssorgen gegeben, berichtet Baumann.


    Nachwuchssorgen machen erfinderisch


    Am 17. März 2016 beschloss der Kreistag, den jungen Menschen zwischen 16 und 24 Jahren, anzubieten, deren Fahrschulkosten teilweise zu übernehmen. Im Gegenzug verpflichten diese sich, für mindestens fünf Jahre Mitglied einer Feuerwehr im Landkreis zu bleiben. Dieses Angebot fanden im ersten Jahr bereits 57 Antragssteller nachweislich attraktiv. Gerechnet hatten die Verantwortlichen lediglich mit 50 Bewerbungen.


    Maximal 800 Euro – der Landkreis und die jeweilige Gemeinde übernehmen jeweils 50 Prozent der Summe – erhalten die Nachwuchskräfte als Förderung. Gemeinhin gilt: Desto mehr sich bewerben, desto geringer fällt die Förderung für den Einzelnen aus. „Das geht gar nicht!“, befindet Baumann. Die CDU plädiert deshalb nicht nur dafür, dass alle Antragssteller die volle Summe erhalten, sondern auch, dass das Programm um weitere fünf Jahre verlängert wird.


    Im Landkreis Wittmund gibt es dergleichen nicht – zumindest nicht in puncto des Nachwuchses. 5000 Euro stellt die Verwaltung jährlich für den Erwerb der Spezialführerscheine C, C1E und CE zur Verfügung. Allerdings muss der Bedarf daran von den Ortsbrandmeistern gemeldet werden und soll sicherstellen, dass die jeweilige Wehr ihre Fahrzeuge auch auf die Straßen bekommt, heißt es aus der Pressestelle des Kreishauses. Fünf Jahre muss der Antragssteller bereits Mitglied der Feuerwehr sein und es mindestens weitere fünf Jahre bleiben. Die eine Hälfte der Fahrerlaubnis finanziert der Landkreis, die andere die jeweilige Kommune. Ähnlich handhabt es der Landkreis Friesland.


    Davon abgesehen, dass „wir sehr gut aufgestellt sind“, sieht Kreisbrandmeister Friedhelm Tannen (Ochtersum) den Vorstoß der Leeraner durchaus positiv: „Alles, was junge Menschen motiviert, sich in der Feuerwehr zu engagieren, ist gut.“


    Denn, so Tannen, es sei wichtig, alle Wehren im Landkreis zu erhalten. Wäre das nicht der Fall, hätte das verheerende Folgen für den Brandschutz. „Wenn ein Ort über eine Feuerwehr verfügt, gehen die Leute auch hin“, erklärt der Kreisbrandmeister, das sehe schon anders aus, müssten sie dafür noch eine lange Anfahrt in Kauf nehmen.


    „Alles, was motiviert, ist gut“


    Nachwuchs ist dabei der beste Bestandsschutz. Und der fühle sich durch den Führerscheinzuschuss durchaus angesprochen, sagt Baumann. Genaue Auswertungen, wie viele Jung-Feuerwehrleute es nur aufgrund der Förderung zu den Blauröcken gezogen habe, gebe es zwar nicht. „Aber“, betont der Christdemokrat, „das ist schon ein Anreiz.“ Ideen, weitere davon zu schaffen, gibt es zurzeit nicht. Sollte es weitere Anregungen aus der Feuerwehr geben, könne man darüber aber sprechen.