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    Veröffentlicht: 23.08.2019
    HBU

    Künstlerstreit: Esens sieht sich in ein schlechtes Licht gerückt


    Bericht des Magazins „Der Spiegel“ über Cyrus Overbeck polarisiert die Stadt
    Verlässt Esens: Cyrus Overbeck.  ©KLAUS HÄNDEL
    Verlässt Esens: Cyrus Overbeck.  ©KLAUS HÄNDEL
    ESENS
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    Der Künstler Cyrus Overbeck wird aus Esens wegziehen und in seine Heimatstadt Duisburg zurückkehren. Das hat der 49-jährige vor einer Woche im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ angekündigt. Als Grund hat Overbeck Anfeindungen und Angriffe gegen ihn in den vergangenen Jahren und zuletzt im Mai dieses Jahres genannt, als er in einer Esenser Gaststätte angegriffen worden ist. Der Fall macht mittlerweile bundesweit Schlagzeilen, unter anderem hat der WDR in dieser Woche einen Filmbeitrag über vermeintlichen Antisemitismus in Ostfriesland gesendet.


    Die Stadt Esens sieht sich durch die Affäre, die ihren Ursprung in einem Künstlerstreit zwischen Cyrus Overbeck und dem Maler Hans-Christian Petersen hat, in ein schlechtes, falsches Licht gerückt. „Irritiert und bestürzt“ seien sie, äußerten am Freitagmorgen in einer Presseerklärung Bürgermeisterin Karin Emken und Stadtdirektor Harald Hinrichs. Sie bedauern, „dass unsere Stadt durch diesen Angriff nun in den überregionalen Medien als Beispiel für Antisemitismus im ländlichen Raum benannt wird. Das wird unseres Erachtens dem vielfältigen und beständigen Engagement unserer Bürgerinnen und Bürgern für ein friedvolles Miteinander, für Respekt und Wertschätzung in keinster Weise gerecht.“


    In der Erklärung heißt es weiter: „Wir verurteilen und distanzieren uns ausdrücklich von dem antisemitischen Angriff auf den Künstler Cyrus Overbeck. Wir bedauern sehr, dass Herr Overbeck so etwas in unserer Stadt erleben musste und sind erschrocken, dass dies in dieser Form geschehen ist.


    Damit hätten wir – und schließen aufgrund zahlreicher Rückmeldungen die Esenser Bürgerinnen und Bürger hier mit ein – nicht gerechnet. Wir erleben Esens täglich als eine tolerante und weltoffene Stadt, die sehr kritisch und offen mit der eigenen Vergangenheit umgeht, insbesondere mit den Geschehnissen während des Nationalsozialismus.“


    Eine ausführliche Dokumentation mit den Hintergründen des Künstlerstreits um die Vergangenheitsbewältigung in Esens und eine Chronologie der Ereignisse lesen Sie in der Samstagausgabe des Jeverschen Wochenblatts.