Artikel
    Veröffentlicht: 08.11.2019
    Von ANTJE BRÜGGERHOFF

    Reise für den guten Zweck: Plötzlich kommt alles anders als geplant


    Nick Pinkenburg bricht seine Fahrradtour nach Indien ab, weil er sich um Welpen kümmern will
    Eigentlich wollte der Wangerooger Nick Pinkenburg mit dem Rad nach Indien fahren. Jetzt hört er auf sein Herz - und möchte sich um die Welpen kümmern.   ©Nick Pinkenburg
    Eigentlich wollte der Wangerooger Nick Pinkenburg mit dem Rad nach Indien fahren. Jetzt hört er auf sein Herz - und möchte sich um die Welpen kümmern.   ©Nick Pinkenburg
    WANGEROOGE
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    Hinter jedem Ende steckt auch ein neuer Anfang – das hat Nick Pinkenburg jetzt deutlich gespürt. Der Wangerooger hat sich nun dazu entschlossen, seine Fahrradtour zu beenden – damit er sich um die Hunde kümmern kann, die er in Serbien in einem Pappkarton am Straßenrand gefunden hat. Das Ziel, einen Brunnen in Afrika zu bauen, will er trotzdem weiter verfolgen – nur auf anderem Wege.


    Wie berichtet, hatte der 22-Jährige ursprünglich vor, von Oldenburg mit dem Fahrrad nach Indien zu fahren. Während der Tour wollte er Spenden sammeln, um einen Brunnen in Afrika bauen zu lassen. Im vergangenen Jahr hatte Nick nämlich an der Westküste Afrikas gearbeitet und dort einiges über die Trinkwasserproblematik erfahren. Seine Tour startete Ende Juni.


    Auf seiner Fahrt hat Nick vieles erlebt. Er ist quer durch Deutschland gefahren, war unter anderem in der Slowakei und in Ungarn.


    Die ersten Prüfungen sollten schnell folgen. Zehn Tage nach dem Start der Tour musste ich zwei Wochen aufgrund eines Fahrradunfalls pausieren. In Berlin musste ich sechs Tage Pause einlegen, weil ich Probleme mit den Beinen hatte. 15.000 Höhenmeter verlangten mir alles ab. Knapp 2000 Kilometer strampelte ich, als mich eine der größten Prüfungen erwartete – ich fand die Hundewelpen. Sie wurden einfach zum Sterben ausgesetzt.


    Tiere bedeuten dem 22-Jährigen sehr viel. Sofort schloss er die Hunde ins Herz. Und es ging Nick sehr nahe, dass sie ohne seine Hilfe einfach sterben würden. So begann die Rettungsaktion.


    Ohne einen Plan, ohne einem Dach über dem Kopf, ohne eine wirkliche Idee. Doch es funktionierte. Durch meinen festen Glauben, dass alles gut werden würde, konnte ich es hinbekommen, dass alle Hunde gerettet wurden. Sie wurden nach dem Besuch bei einem Tierarzt in eine Hundepension eingebucht.


    Mir wurde klar: Ich hätte keinen weiteren Tag Verzug haben dürfen, keinen Tag früher Oldenburg verlassen dürfen und ich hätte keine Entscheidung anders treffen dürfen. Ich hätte den Unfall nicht haben dürfen und die Probleme mit den Beinen waren auch nicht umsonst. All das sollte so sein – zumindest in meiner künstlerisch-romantischen-Vorstellung.


    Denn ohne diese Umstände hätte er die Welpen nicht gefunden. Zunächst fuhr Nick noch weiter, doch ihm wurde schnell klar, dass er nach Hause fahren und sich um die Hunde kümmern muss.


    Deshalb geht es nun, mit einigen Zwischenstopps, zunächst wieder zurück nach Wangerooge. Am 25. Dezember fährt er dann wieder los, um die Tiere nach Deutschland zu holen. Hier im Land kümmert er sich um die Vermittlung aller Welpen. Bis auf Beo – der bleibt bei Nick. Beo ist eine Ableitung von „Beograd“ – also Belgrad.


    Es falle ihm schwer, auf sein Herz zu hören, weil er niemanden enttäuschen möchte, betont Nick. Doch er möchte die Hunde nicht im Stich lassen. Auch wenn sich die Pläne jetzt geändert haben, bereut Nick keinen Tag seiner Radtour.


    Nie zuvor bin ich mehr als 14 Kilometer auf einem Rad gefahren. Für diese Reise musste ich mich von meiner Wohnung, meinem Job, Freunden, der Familie und vielen persönlichen Gegenständen trennen. Damals dachte ich, dass dieser Schritt viel von einem abverlangt, T-Shirts auszusortieren. Heute weiß ich, dass es Wichtigeres gibt.


    Ich fuhr los mit dem Wissen, ins Ungewisse zu fahren. Ich wusste nicht wirklich, was passieren wird, wo ich morgen sein werde und welche Prüfungen mich auf dem Weg so erwarten würden. Fest steht, dass ich keinen Tag und keine getroffene Entscheidung dieser Reise bereue.


    Jetzt weiß ich, dass dieses Ziel realisierbar ist! Sowohl mit dem Fahrrad nach Indien zu fahren, als auch die nötigen Gelder für den Brunnen zu generieren. Auch weiterhin werde ich Spenden für den Bau des Brunnens sammeln.


    Ich bedanke mich bei jedem, der an mein Projekt geglaubt hat, es stets tut und mich in jeglicher Art unterstütz hat und stets plant, dies zu tun.


    Wie er weiter an dem Brunnen-Projekt arbeitet?


    Ich denke da zum Beispiel an eine Vortragsreihe durch Deutschland. Und dann würde ich auch in Jever stoppen.


    Wer Nicks Aktion weiter unterstützen möchte, kann sich im Internet beteiligen.


    www.cyclingbeyondblue.net
    instagram.com/cyclingbeyondblue