Artikel
    Veröffentlicht: 10.06.2019
    Von ANTJE BRÜGGERHOFF UND MICHAEL MEHRTENS

    SEK stoppt Wangerooge-Fähren: Ermittlungen im Rahmen des Mordes am Kasseler Regierungspräsidenten


    Ein Mann wurde am Samstag in polizeiliches Gewahrsam genommen.
    Auch ein Hubschrauber war am Samstag im Einsatz und flog  einige Runden  über die Insel. Warum, das wusste an dem Tag niemand.    ©KEVIN KEITNER
    Auch ein Hubschrauber war am Samstag im Einsatz und flog einige Runden über die Insel. Warum, das wusste an dem Tag niemand.   ©KEVIN KEITNER
    WANGEROOGE/HARLESIEL
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    Bei einem Einsatz des Spezialeinsatzkommandos auf Wangerooge und in Harlesiel am Sonnabend ging es um Ermittlungen im Rahmen des Mordes am Kasseler Regierungspräsidenten, Walter Lübcke. Das haben Recherchearbeiten des Jeverschen Wochenblatt ergeben.


    Lübcke ist am 2. Juni im Stadtteil Istha von Wolfhagen (Hessen) ermordet worden. Aus ermittlungstaktischen Gründen und zum Schutz der Person gibt die Polizei keine weiteren Details zum SEK-Einsatz bekannt.


    Fakt ist aber: Ein Mann wurde in polizeiliches Gewahrsam in Harlesiel genommen, er wurde zum Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke befragt und später wieder auf freien Fuß gelassen. Die Befragung habe keine Anhaltspunkte ergeben, die eine Tatbeteiligung stützen, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Kassel und der Sonderkommission (Soko) „Liemecke“ des Hessischen Landeskriminalamtes.


    Der Sprecher der Soko, Torsten Werner, sagte gegenüber des Jeverschen Wochenblatt: „Zu keiner Zeit bestand Gefahr für Menschen.“ Er wiederholte: „Aus ermittlungstaktischen Gründen gibt es aber keine weiteren Details.“


    Viele Gäste, die über das lange Pfingstwochenende auf die Insel fahren wollten, mussten am Samstag am Anleger in Harlesiel warten. Denn zwischen 14.30 Uhr und 17.30 Uhr sind keine Fähren gefahren. Warum, das wurde den Gästen vor Ort nicht mitgeteilt.


    Zeugen berichteten gegenüber unserer Zeitung, dass gar keine Ansagen gemacht worden sind bzw. auch nicht gemacht werden durften. Erst gegen 18 Uhr fuhren die Fähren dann wieder und brachten die Gäste Richtung Insel.


    Noch am Samstagabend hatte die Polizeiinspektion Wilhelmshaven-Friesland dann mitgeteilt, dass die Maßnahmen, bei denen Kräfte aus Niedersachsen eingesetzt waren, für ein anderes Bundesland stattfanden – aber keine weiteren Details bekannt gegeben werden.


    Daraufhin gab es viele Spekulationen auf der Insel: So hieß es unter anderem, dass es eine Bombendrohung gab, dass Ermittlungen im Rahmen einer großangelegten Drogendurchsuchung liefen – und sogar, dass die drei gesuchten RAF-Terroristen auf der Fähre festgenommen wurden. Das stellte sich jedoch alles als unwahr heraus.